Meditation und Achtsamkeit, was kann da schon passieren?

Hey! Ich säch immer: besser meditieren, als rum sitzen und nichts tun!

Ja, mach dich nur lustig.
Tatsächlich ist es wohl so, dass sich die Menschen voneinander unterscheiden. Und das sind keine Marginalien.

Klar. Mann, Frau, Kind und…

Stopp! Es geht hier um wirklich tiefere Aspekte, nämlich das Bewusstsein.

Verstehe: bewusstes Sein!

Yep. So griffig und richtig diese Erkenntnis auch ist, sie hilft nur im Ansatz weiter.
Erstens, weil alle ohnehin ständig unterschiedliche Tagesformen haben (Stichwort Biorhythmus), weil also nur handverlesene Ausnahmen das Glück haben, sich zeitlich und Bewusstseins technisch zu treffen.

Egal.
Letztenendes will jeder aber auch an seinem aktuellen (Stand)Punkt abgeholt, resp. wahrgenommen werden.

Gut gemeint und schlecht gemacht?

Kann in einigen, vielleicht sogar recht häufigen Fällen vorkommen.
Gerade weil jeder praktisch an einem anderen Abschnitt seiner („der“) Bewusstwerdung steht, sind Unterfangen wie gemeinsames meditieren nicht unkritisch.
Während sich der eine schlicht einer  körperlichen Tiefenentspannung nähern will, ist ein anderer bereits ohne Meditation in diesem Zustand und will in ganz andere Regionen (Transzendenzen) wechseln.
Was alle primär eint, ist, dass die Aufmerksamkeit geschult wird.

Ja, klar: achte auf die Atmung und den Spannungswert deines Bauchs!

Das ist jetzt nicht, worauf ich raus will. Achtsamkeit ist für die Unachtsamen nicht selten ein Schock.

Du meinst jetzt nicht die Klimakatastrophe?

Doch. Die auch. Vor allem aber was alles damit zusammenhängt. Der erste Gedanke ist ja oft „was kann ich besser machen?“

Klar! Darauf kommts an!

Ja, darauf kommts an. Aber!
Und das ist ein riesen Aber.
Je tiefer du dir und deinem Handeln bewusst wirst, um so mehr Fehler fallen dir auf.

Wieso fahre ich noch kein Lecktro-Auto?

Das könnte ein Einstieg sein. Aber! Wenn du mit deiner Bewusstwerdung fortfährst…

…und zwar lecktrisch!

Blödmann! Je tiefer du dich mit bewusstem Sein beschäftigst, um so mehr Fragen tauchen hinter den bereits gegebenen Antworten auf:
Wieso fährst du nicht lecktrisch? Wieso fährst du überhaupt? Musst du wirklich deinen Lebensinhalt der Fabrikation von lila Stoffbärchen widmen?

Genau! Lila sollten nur Kühe!

Während du dich also lecktrisch im morgendlichen Stau zu deinem Arbeitsplatz bewegst tauchen Fragen über Fragen zur Sinnhaftigkeit des Ganzen auf.

Es sei denn, du stehst an einem Punkt, an dem du überzeugt bist, dass dich dein örtlicher Autokrat von all dem Schlamassel befreit und du machst einfach dein Kreuz bei einer faschistischen Partei, die regeln das dann für dich…

Ja, regeln tun die viel. Könnte sein, dass du wg. national-sozialer Unverträglichkeit, gute Aussicht auf vorzeitige Entsorgung has(s)t.
Ideologen forcieren Abwehrhaltungen, was bei ihren Gläubigen umgehend zu Aggressionen führt -ja, weil sich verdammt viele nicht mit den Konsequenzen des eigenen Handelns auseinandersetzen (wollen).

Aber genau das ist einer dieser „Aber“
Es gibt praktisch nirgends Gelegenheit sich in „wahrer“ Demokratie zu entfalten. Allein der Wunsch danach ist nur mehr oder weniger stark ausgeprägt.
Stichwort Regeln…

…ja, die sind unerlässlich. Sollen sich mal die ganzen Voll-Honks dran halten. Ich brauch die ansich weniger, also die Voll-Honks. Und Regeln? Ich weiß schon was ich tue!

Ja. So ist das. Einer weiß was er tut.
Ein Zweiter sieht, dass das was einer tut (von dem er annimmt, er wüßte was er tut) genau das ist, was er selber vor kurzem noch dachte.
Inzwischen aber weiß, dass das voll in die Hose geht.
Und ein Dritter sieht genau dies Problem bei dem Zweiten und so weiter…
Am (scheinbaren) Ende dieser Reihe taucht die Erkenntnis auf…

…ich weiß, dass ich nix weiß!?

Ja, so in etwa. Meist tritt diese Erkenntnis aber erst hinterletzt auf.
Egal.
Ich will das jetzt nicht in Richtung Limes vertiefen.

Meditation birgt Risiken!
Welche darin bestehen, dass ein bewusster werden forciert wird. Dies kann leicht dazu führen sich vollkommen neu zu entdecken.
Wer jetzt die Sinnhaftigkeit der eigenen Existenz infrage stellt, etwa weil (scheinbar) äußere Hemmnisse den Weg in intelligentere Bahnen verstellen, kann wirklich verzweifeln.

Das muss allen Beteiligten klar sein.

Klar, das muss!

Ja, du hast recht. Schön wärs, wenns so wär. Aber aus den vorangegangen Zeilen lässt sich ablesen, dass eben genau dies nicht zwingend der Fall ist.

Also, dass der Meditationslehrer selbst nix weiß!?

Ja. Wie du schon sagtest: „gut gemeint und schlecht gemacht!“
Dass jetzt Meditationskurse angeboten werden, bei denen die Teilnehmer unterschreiben, dass sie für sich selbst verantwortlich sind, ist zwar ne nette Idee, sollte aber eher als Warnsignal betrachtet werden.

Du bist also gegen Meditation?

Nee. Ich sehe sie als einen der vielen möglichen Wege Bewusstsein zu erlangen.
Aber letzteres ist kein Zucker schlecken. Für viele wird es ein steiniger, unbequemer Weg.

Oh! Und ich dachte mer sitzt da nur rum und macht nix!

My two and a half Cent:
„rum sitzen“ kann zu Erkenntnis führen. Nur wer dann nichts macht, kann in Konflikt mit sich selbst geraten. -Genau das ist das Risiko.

Angeregt durch:
tagesschau.de/investigativ/

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