Von der Kunst Motorrad zu fahren II

Wie the fuck, fahr ich endlich locker auf meim Hocker?

Was bei der Kurvenballerei eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt, ist dieses unsägliche “ich habs drauf”-Gehabe. Sich dem zu entziehen fällt in der Tat nicht immer leicht.

Insbesondere Anfänger geraten rasend schnell in den dusslig machenden Flow beim Dreh am Gasgriff. Dieses unbeschreibliche Nach-Vorne-Schnalzen überträgt sich auf die Persönlichkeit und suggeriert zackig ein Gefühl von Unbesiegbarkeit.

Ja mei. Wenn da nicht die Kurven wären!

Besonders ätzend isses, wenn die, denen mer eben noch auf der Geraden so wunderhübsch den Auspuff zeigen konnte, mit unvermindertem Tempo die Kurve (und auch noch auf der richtigen Seite) durcheilen.

Das in die Augen schießende Blut geht dann ruckzuck in einen verkrampften Kampfpanzer-Modus über, dessen Besatzung sich inzwischen weit außerhalb ihres Wohlfühlbereichs befindet.

Um den Flow des Bikens zu erlernen gibt es genau einen Indikator.

Nein, kein Schrecklagen basiertes eGimmick. Ganz profanes Standardzubehör: der Bauch.

Wer -völlig unabhängig vom biken- seine aktuelle Leistungsfähigkeit prüfen oder steigern will, achtet kurz und intensiv wie sich der Bauch anfühlt:

angespannt/ verkrampft/ eng?
oder
locker/ relaxt/ weit?

Isser locker, ist die Atmung im Lot: kaum Verbesserungspotential.

Isser aber angespannt, dann ist die Atmung flach -wenn nicht sogar (wie im sprichwörtlichen Sinn) die Luft angehalten wird.

Aus der Nummer gibts einen einfachen Ausweg: tief und gleichmäßig atmen. Sofort entspannt sich der Bauch und Wohlgefühl durchströmt den Körper.
Ok.
Letzteres stellt sich genau dann nicht ein, wenn drumherum alles aus dem Ruder läuft.
Auf m Bike heißt das dann: „Gemach!“.
Lass den da vorne sein Ding machen, mach dein eigenes.

Und überhaupt:
was willste einem beweisen, was de ned kannst, wo de den eh ned kennst 🤣🥳

Mein Geheimnis besteht darin, meinen angestammten Wohlfühlbereich nicht zu verlassen.
D.h. nicht, dass ich das Bike um die Ecke trage.

Ich nenns „Tanz“ mit dem bike. Lass es unter mir hin und her gleiten, begebe mich mit ihm in Schräglagen, zwinge ihm keine starre  Verbindung auf. Halte die Zügel locker, verliere aber nicht die Verbindung. Übe sanften aber bestimmten Druck auf seine Flanken aus, gebe dem Biken einen runden und geschmeidigen Touch.

Das sieht dann z.B. so aus:

Was Fahrstile angeht, sehe ich prinzipiell 2 “Sorten” Biker.

Die einen sind im Flow und genießen den Kurvenswing (wie beim Brötchen holen)

Die anderen -die nicht zwangsläufig langsamer sind- geben ein etwas unglückliches Bild ab. Ich nenns “sie wehren sich gegen die Kurve, versteifen regelrecht”.
Letzteren Fahrstil sehe ich zu ca. 99%. Und war selber bis vor nicht allzu langer Zeit so unterwegs.

I.wann im Winter fiel der Groschen, dass nämlich nur meine ordentlich eingeleitete Gewichtsverlagerung dem bike Schräglagen bedingte Rutscher erspart.
Tatsächlich hatte ich dann beim immer intensiver werdenden in die Kurve “schmeißen” nie vor i.was Angst, kam ich doch mit viel weniger Schräglage ums Eck.
Was aber ziemlich schnell klar wurde, war, dass sich das bei weniger winterlichen Straßenverhältnissen auch zu deutlich eleganteren und tieferen Schräglagen nutzen lässt.

Mein “Trick” war nicht “Überwindung” zur Schräglage, das ist der falsche Ansatz. Der “Trick” ist die intensive Hingabe an die sich ständig ändernde Situation. -Was gar nicht geht sind Gedanken, wie “der darf mich jetzt nicht abhängen” oder an die Steuererklärung. 😂

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