Was Gedanken so den ganzen Tag treiben

Gedanken?

Ja, oder besser „innere Stimme“.
Von ein paar Schlafphasen mal abgesehen, scheint der innere Kommentar zum äußeren Handeln ein unentwegter Begleiter.

Davon mehr oder weniger genervt  stellen wir schon ne Menge an, um mal bissi Ruh zu bekommen.
Mer nennts Abschalten, Chillen oder wie auch immer. Die einen probierens mit Alk, andere mit Meditation, wieder andere mit Motorradfahren.

Die Frage indes, warum eigentlich abschalten? Bedeutet das ned totalen Kontrollverlust? -Guter Witz, bei was the fuck soll mer welche Kontrolle verliern?

Kontrolle über die eigenen Gedanken?

Klingt irgendwie logisch, aber was spielt sich denn so „gedanken-mäßig“ ab:
mer liest oder hört was, die innere Stimme sprichts gut hörbar aus. Dann setzt entweder ein innerer Dialog zum Thema ein, der verschiedene Seiten der Gedanken bearbeitet, abwägt, akzeptiert oder verwirft. Oder es findet kein Dialog statt, stattdessen wiederholt sich der Gedanke wie in ner Endlosschleife. Am meisten fällts bei Musik auf, wo mer manchmal nen noch so dämlichen Song einfach ned mehr aus m Kopp bekommt.
Das findet aber auch mit endlos vielen anderen Gedanken statt.

Werbung?

Basiert fast ausnahmslos nach dem Schema, ewig nochemal wiederholen, irgendwann setzt s sich schon fest.
Das grande Malheur ist, dass diese Art der Beeinflussung bereits im frühsten Kindsalter einsetzt, erst durch die Eltern, dann den ganzen sozialen Rest. Ständig predigen se den selben Kram: Eigenliebe stinkt, Sex ist dreckig, Konkurenzdenken belebt, Gewalt ist auch ne Form der Kommunikation… halt so das übliche. Gern auch mal mehr oder weniger religiös eingekleidet, aber ewig dasselbe.

Du meinst, wir denken nur so n vorfabriziertes Gedankenzeugs?

Naja, nicht immer, aber halt fast. Der Versuch diesen bescheuerten Gedankenfluss zu stoppen, ist ja ned wirklich neu. Originellerweise isser sogar Bestandteil vieler Religionen oder Weltanschauungen.

Aber das Gehirn ist letztlich sein eigener Zensor. Wenns sich grad mal wieder in irgendwelchen Quark verbissen hat, dann kannste da ned viel Toleranz für anderes erwarten.
Ansich muss mer Glück haben, ned ausnahmslos mit Müll gefüttert zu werden.

Müll? 

Ja, ich kanns ned anders sagen. Der übelste Müll ist der, der einem suggeriert, dass an allem Unbill  andere Schuld sind. Diese ewigen Verschwörungstheorien, dass mer nix machen kann, außer die Verursacher allen Übels zu beseitigen.

Klingt doch eigentlich vernünftig?

Das ist ja das perfide. Besonders, wenn mer gelernt hat, dass Probleme so weiterzuschieben sind. Ne zeitlang warn s die  Christen, dann die Juden, die Zigeuner, die Ungläubigen, die Demokraten, ach, was weiß ich wie se alle heißen, aber irgendwen gibts halt immer.
Und wenn de diese Gedanken dann schön immer wieder im Hamsterrad deines Gehirns rotieren lässt, dann wird da schnell ne unumstößliche Wahrheit draus.

Und was ist, wenn mer selber auf der Persona non grata Liste steht?

Ja, des is bleed, aber i.d.R. bekommste da endlich mal n Anlass, das Hamsterrad in Frage zu stellen. Denn du wähnst dich ja schon dein Leben lang auf der Seite der Guten, oder?

Logo, wo sonst?

Ja, wo sonst? Und plötzlich verorten dich irgendwelche Leute in ner Ecke, mit der du bis dato null Kontakt hattest. Du bist der Böse. Wow! Da wärste von allein ned drauf gekommen.
Und -weniger witzig- es könnte sogar stimmen. Denn wer ewig an Steinigungen teilnimmt (neudeutsch: Mobbing) der ist kein Guter. Wer ewig andere, grad mal so aus m Bauch raus, für alles mögliche verantwortlich macht, der könnte wahrhaftig völlig daneben liegen.

Puhhhhh!

Ja, gell, puhhhhh. -Aber manchmal kann mer nen falschen Kurs doch erkennen und gaaanz, gaaaanz selten, bissi korrigieren.

Bissi?

Ja, denn mer lebt ja ständig in der Angst, von der eigenen Gruppe ned mehr gemocht zu werden.

Nestbeschmutzer!

Dabei isses dreckig bis zum Abwinken, des „Nest“. Die Oberschlaumeier darin hauen dir dann gern mal die Frage um die Ohrn, wie s denn besser gehen soll -darauf lauernd, dass keine profunde Antwort aus m Ärmel geschüttelt wird. -Wie auch, wer erkennt, dass was falsch läuft, muss längst ned wissen, wie s besser geht.

Scheiß Argumentationslage!

Ja, vor allem isse echt dünn. Wär se aus Eis und die Deppen würden gleich einbrechen, wär s leichter zu erkennen. Aber so isses halt ned. Stattdessen wiederholen se gebetsmühlenartig ihre Parolen, schicken dich auf s Abstellgleis und das Alte bleibt wie gehabt.
-Ansich kein Wunder, dass sich viele dieser „Kritiker“ wieder auf die scheinbare Geborgenheit ihrer Gruppe besinnen, zurückrudern, sich entschuldigen -und den altbekannten Scheiß wieder aufnehmen als wär nie was gewesen.

Gedanken im Kreis laufen zu lassen?

Und sich dabei auf der „richtigen“ Seite des ganzen Durcheinanders zu wähnen.

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